Erich Benjamin – Vita

Erich Benjamin wurde 1880 in Berlin geboren und wuchs dort auf. In Heidelberg und Berlin studierte er Medizin. 1905 wurde er mit einer pädagogischen Dissertation zum Doktor der Medizin promoviert. Um Kinderarzt zu werden, begann er nach weiteren Studien in Wien, Berlin, Düsseldorf eine Weiterbildung zum Facharzt an der Münchner Universitäts-Kinderklinik. Er blieb dort 11 Jahre lang, arbeitete zugleich wissenschaftlich auf vielen Feldern. Im Sommer 1914 habilitierte er sich. Im Weltkrieg war er als Truppenarzt an der Westfront, erhielt das EK II, wurde 1916 „krankheitsbedingt“ entlassen. Heimgekehrt übernahm er die Leitung der Münchner Universitäts-Kinder-Poliklinik.

Sein Interesse galt immer mehr verhaltensauffälligen Kindern. Als Leiter der Kinderpoliklinik des von Haunerschen Kinderspitals richtete er dort zusammen mit der Heckscher Klinik eine poliklinische heilpädagogische Sprechstunde ein.
1921 erwarb er ein Kinderheim im Süden von München, das er bis 1939 leitete. Dort spezialisierte er sich auf Prophylaxe, Früherfassung und Therapie verhaltensgestörter Kinder Damit verbunden war seine erzieherische wie wissenschaftliche Hinwendung zur Heilpädagogik.

Die 1930 publizierte Monographie Grundlagen und Entwicklungsgeschichte der kindlichen Neurose, beruhend auf Beobachtungen und Erfahrungen in seinem Kindersanatorium, fand große Anerkennung, insbesondere in der heilpädagogischen und kinderpsychiatrischen Fachwelt, ebenso wie sein 1938 veröffentlichtes Lehrbuch der Psychopathologie des Kindesalter für Ärzte und Erzieher.

Seit 1933 geriet er als Jude unter immer größeren Druck durch das NS-Regime, das ihm 1935 die Lehrbefugnis entzog und ihn 1937 zwang, sein Sanatorium zu einem Schandpreis abzugeben. 1938 gelang ihm und seiner Familie die Flucht in die USA. Dabei gingen alle Besitzwerte verloren. Im Exil konnte er zwar noch in Fachzeitschriften veröffentlichen und Vorträge halten, als praktizierender Arzt gelang es ihm aber niemals, Fuss zu fassen. 1943 starb er in Baltimore.